Spielbericht

AOK Ballers Ibbenbüren

Der SVD fährt emotional Achterbahn –und siegt

Regionalligist SVD feiert gegen Ibbenbüren einen Überraschungserfolg. Beim 82:80 gegen den Favoriten durchlebten die Derner ein Auf und Ab. Was muss, das muss. Die letzte Aktion des Spiels gehörte Patrick Breuker-Kreikmann, zwei Freiwürfe gab’s noch. Und das in einer Partie, die bis in die Schlusssekunde hin- und herwogte und bei der zuvor jeder Wurf seine besondere Bedeutung für den Ausgang des Spiels hatte. Doch diese beiden nicht mehr. Breuker-Kreikmann, die Aushilfe aus dem Derner Oberligateam, stand da ziemlich allein an der Linie, hinter ihm jubelten sie schon oder – was auf die Gäste aus Ibbenbüren zutraf – schritten enttäuscht Richtung Bank. Die Spielzeit war schon abgelaufen, als Breuker-Kreikmann an die Linie ging und zu den wohl schönsten unwichtigsten Würfen seiner Laufbahn ansetzte. Der Center traf einen von beiden, machte aus dem 81:80 den 82:80 (25:19, 23:18, 11:28, 23:15)-Endstand – und durfte sich dann endlich auch zusammen mit seinen Mannschaftskameraden den verdienten Applaus des Publikums für den Überraschungserfolg abholen. Das eher spannungslose Ende passte so gar nicht zu den turbulenten Minuten zuvor. Der SVD durchlebte so ziemlich alles, was emotional möglich war an diesem Abend. Mit 14 Punkten lag er zwischenzeitlich schon vorn, 44:30 nach 17 Minuten, brauchte den so schön herausgespielten Vorsprung innerhalb weniger Momente im dritten Viertel wieder auf, 48:49 nach 24 Minuten, und musste mit ansehen, wie der Gast aus Ibbenbüren seinerseits wegzog – auf 63:56 kurz vor Ende des dritten Abschnitts. Es hätte ein Spiel der verpassten Chancen werden können, doch der SVD kam an diesem Abend wieder zurück. „Wir haben uns für eine kämpferische Leistung belohnt“, fasste SVD-Trainer Peter Radegast zusammen. Der obligatorische Einbruch ereilte sein Team diesmal nicht – wie sonst üblich – im zweiten, sondern im dritten Viertel. Mit sieben Fehlwürfen und einem Ballverlust wegen Zeitüberschreitung begann der SVD dieses Viertel, kassierte zuerst eine 0:12-, später eine 0:7-Serie und lag gegen Ende des letzten Abschnitts mit sieben Zählern im Hintertreffen. Auch, weil die bis dahin wenig überzeugenden Gäste aus Ibbenbüren nun ihren Spaß am Spiel entdeckt hatten. Lange Zeit hatte es ihnen der SVD ungemütlich gemacht, hatte die körperlich starken Center der Gäste, Benjamin Fumey (2,03 Meter, 113 kg) und Daniel Boaheme (2,06 Meter, 130 kg) gut in Schach gehalten und sogar das eigentlich ungleiche Rebound-Duell ausgeglichen gehalten, außerdem Spielmacher Jeremy Lewis gut kontrolliert. Doch plötzlich lief nicht mehr viel zusammen im Derner Spiel. Die Verunsicherung war dem SVD anzumerken. „Natürlich macht man sich auf dem Feld so seine Gedanken, wenn man einen Vorsprung so einfach aus der Hand gibt“, gestand SVD-Kapitän Felix Fuhrmann. Doch anders als noch zu Beginn der Saison, als der SVD gegen Mit-Aufsteiger Leverkusen in der Schlussphase den Sieg noch aus der Hand gab, fand er diesmal noch rechtzeitig wieder in die Spur. Auch das ist ein Lernprozess, den die Mannschaft im Laufe der Wochen durchgemacht hat. Sie vertraut auf das, was sie kann. „Beeindruckend, dass wir noch mal zurückgekommen sind“, so Fuhrmann. Das hatte mit einer mannschaftlich starken Leistung und – wie so oft – mit Aaron Bowser zu tun. Wobei nicht nur seine insgesamt 27 Punkte bemerkenswert waren, sondern auch seine Treffsicherheit bei Freiwürfen. Elf Versuche, elf Punkte – hundert Prozent. Seine letzten beiden setzte er 17 Sekunden vor Schluss, aus dem 79:78 machte er das 81:78. Den Gästen aus Ibbenbüren gelang es nur noch, mit einem Korbleger neun Sekunden vor dem Ende auf 80:81 zu verkürzen. Den Rest sollte Patrick Breuker-Kreikmann erledigen. Bowser (27/2/11:11), Manderla (n.e.), Warkentin (1/2:1), Diene (4), Beckmann (8/2), Fuhrmann (19/2/9:7), Dimkovski (10/2/4:2), Nsiabandoki (2), Keuthen (n.e.), Tolkmit, Böcker, Breuker-Kreikmann (11/2:1) NACHGEFRAGT Felix Fuhrmann, was war mit Ihrer Mannschaft im dritten Viertel los? Antwort: Ibbenbüren hat nach der Pause seine Mann-Mann-Verteidigung aufgegeben und eine 3:2-Zone gespielt, damit sind wir lange nicht zurechtgekommen und haben keine Antworten darauf gefunden. Wir sind komplett aus dem Rhythmus gekommen. Hinzu kam, dass den Gästen in der Phase drei Dreier in Folge gelungen sind. Was hat letztlich den Ausschlag gegeben, dass der SVD das Spiel doch noch mal gedreht hat? Antwort: Wir haben uns dann wieder schlauer gegen die Zonenverteidigung angestellt und wieder zu unserem Spiel gefunden. Und in wichtigen Szenen hat Aaron Bowser wieder für uns getroffen. Aber auch in der Defensive haben wir gut gestanden, da haben vor allem Tresor Nsiabandoki und Patrick Breuker-Kreikmann gegen körperlich starke Gegner einen guten Job gemacht. Der SVD hat jetzt vier Siege, steht auf Platz acht – das sieht doch richtig gut aus. Antwort: Ja, die Tabelle lässt sich sehen. Man merkt, dass wir uns gesteigert haben und in der Liga mitspielen können. Aber wir müssen dennoch vorsichtig sein und dürfen uns nicht ausruhen. Wenn es ganz schlecht läuft, können nicht nur zwei, sondern bis zu vier Teams absteigen. Das müssen wir im Auge behalten. Aber das bekommen wir schon hin. „Wir dürfen uns nicht ausruhen“ Quelle: RN

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